🛡️ SICHERHEIT AM NIEDERRHEIN
Daten & Fakten
Übersicht, Sachstand, Dokumentation und Informationen
Extremereignisse am Rhein rücken durch den Klimawandel immer stärker in den Fokus. Während das medienwirksame Hochwasser unmittelbare Zerstörung droht und Niedrigwasser die europäische Binnenschifffahrt und Industrielogistik massiv lähmt, wird eine unsichtbare Gefahr oft übersehen: Veraltete Deichstrukturen und unzureichendes Binnenhochwasser-Mmanagement, die bei Extremwetterkatastrophen zu unkontrollierbaren Überschwemmungen führen können.
Chronik einer behördenseitliche Recherche: Extremereignisse Rhein
Deichüberströmung in Wallach 1926
Historisches Foto
Dadurch Gebietsüberschwemung bis nach Rheinberg.
Es gab noch keine nennenswerten Senkungen durch den Unter-Tage-Bergbau.
Die Abflusshöhe des Rheins betrug derzeit rd. 11.000 m3/s.
Pegeltabelle für den Rheinabschnitt in NRW
Pegeldaten und ihre Höhenmaße – Wasserspiegel-Höhendaten in Meter über NN –
Bemessungswasserhöhen (Datenbezug zu den Topographischen Kartenwerk)
Besondere Informationsquelle, da nicht das „Pegelmaß“ für die Bewohner aussagekräftig ist,
sondern wie hoch sich der Wasserspiegel – in Meter über NN – zeigt.
Um zu erkennen, auf welchem Höhennivau sich -das eigene – Grundstück befindet.
Und, überflutet sein kann.
Folgen deichgeschützter Senkungsgebiete
Durch Bergbau verursachte Bodensenkungen können hinter den Rheindeichen dauerhaft tiefer liegende, „deichgeschützte“ Senkungsgebiete entstehen. Besonders am Niederrhein erhöhen sich dadurch die Anforderungen an Hochwasserschutz, Grundwasserregulierung und Entwässerung.
Erkenntnis: Senkungsgebiete sind ständig, durch Pumpen-Einsatz technisch zu entwässern.
Wasserwirtschaftliche Existenzsicherung in bergbaubedingten Senkungsgebieten
Durch den Steinkohleabbau am Niederrhein sind großräumige Geländesenkungen entstanden. Um trotz dieser dauerhaften Veränderungen eine weitere Besiedlung und Nutzung der betroffenen Gebiete zu ermöglichen, übernimmt die LINEG wasserwirtschaftliche Aufgaben und sorgt unter anderem durch technische Grundwasserregulierung dafür, dass notwendige Grundwasserflurabstände erhalten bleiben.
Damit ist jedoch eine besondere Situation entstanden: Ein ursprünglich natürlicher Lebensraum wurde durch den Bergbau dauerhaft verändert und ist heute in wesentlichen Bereichen von technischen wasserwirtschaftlichen Maßnahmen abhängig. Dies gilt in besonderem Maße für deichgeschützte Senkungsgebiete, deren Gelände teilweise unterhalb hoher Rheinwasserstände liegt.
Die wasserwirtschaftliche Sicherung dieser Räume ist deshalb keine vorübergehende Aufgabe, sondern eine Frage der dauerhaften Daseinsvorsorge und Existenzsicherung der dort lebenden Menschen. Mit zunehmenden Folgen des Klimawandels – etwa durch Extremhochwasser, Starkregen, veränderte Grundwasserverhältnisse oder längere Trockenperioden – gewinnt diese Abhängigkeit zusätzlich an Bedeutung.
Für die Zukunft stellt sich daher die grundlegende Frage, wer die dauerhafte technische Sicherung dieser bergbaubedingt veränderten Lebensräume gewährleistet, finanziert und verantwortet – insbesondere auch dort, wo Senkungsgebiete unterhalb des für den Hochwasserschutz maßgeblichen Rheinwasserstandes, etwa des BHQ2004 (HQ500), liegen.
Aussage der NRW-Umweltministerin zur Hochwasserstudie 2004
Die damalige NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn übermittelte dem Landtag am 24. Oktober 2004 die Ergebnisse der Studie „Grenzüberschreitende Auswirkungen von extremem Hochwasser am Niederrhein“. Die Studie zeigt, dass extreme Niederschlagsereignisse das zugrunde gelegte Bemessungshochwasser erheblich überschreiten können und dabei Überflutungen sowie Deichversagen nicht ausgeschlossen sind. Für den nördlichen Niederrhein wird ein Abfluss von bis zu 16.000 m³/s am Pegel Lobith betrachtet; dabei würde das Freibord der Deiche bereits erheblich in Anspruch genommen.
Bemerkenswert ist die daraus gezogene Schlussfolgerung: Eine generelle Erhöhung der Deiche wurde ausdrücklich nicht vorgesehen. Stattdessen sollten für solche extremen, wenn auch seltenen Ereignisse Strategien einer „zielgerichteten und differenzierten Hochwassermanagementplanung“ entwickelt werden. Die Ministerin bezeichnete die Studie hierfür ausdrücklich als eine weitere Grundlage.
Kernsatz:
Bereits 2004 war der Landesregierung bekannt, dass extreme Rheinabflüsse die Bemessungsgrenzen des Hochwasserschutzes überschreiten können. Die politische Antwort sollte nicht allein in höheren Deichen, sondern insbesondere in einer gezielten und differenzierten Vorsorge- und Hochwassermanagementplanung liegen.
Kernsätze aus der Studie, die Handlungszwänge erforderlich machen:
A) „Im heutigen Zustand kommt es bei den untersuchten extremen Hochwässern am Niederrhein ab einem Abflussbereich zwischen 11.000 bis 16.000 m3/s zu großräumigen Überflutungen. Hierbei ist der südliche Niederrhein (Bonn bis Dormagen) zuerst betroffen. Mit zunehmender Höhe des Hochwasserscheitels wird auch der mittlere Teil (Düsseldorf-Ruhrmündung überflutet.“ (Kap. 12.1)
B) „Bei Überflutungen finden hinter den Deichen rheinparallele Strömungen statt. Dadurch können auch Gebiete überflutet werden, die eigentlich durch Hochwasserschutz-Einrichtungen mit höheren Schutzniveau geschützt sind.“ (Kap. 12.1)
C) „Ab Krefeld wird beim Extremhochwasser (ab 13.000 m3/s) linksrheinisch das gesammte durch Berg-Senkung betroffene Gebiet bis nach Xanten durch Überflutungen heimgesicht.“ (Kap. 9.3)
D) „Aussagen, in wie weit sch die prognostizierte Klimaveränderung auf die extremen Abflüsse im Rheineinzugsgebiet auswirken,lassen sich zur Zeit nur qualitativ treffen.Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass extreme Hochwasser sowohl in der Abflusshöhe als auch in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit in Zukunft zunehmen werden.“ (Kap. 12.1)
Rückhalteräume als Bestandteil eines optimierten Hochwasserschutzes
Die Tabelle zeigt, wie durch eine Optimierung der Rückhalteräume am Rhein die kritischen Abflüsse und zugehörigen Wasserstände gegenüber dem damaligen Zustand verändert werden können. Gegenüber den um 2004 zugrunde gelegten Schutz- und Bemessungswerten wird deutlich, dass insbesondere durch eine gezielte Aktivierung und Abstimmung der Retentionsräume höhere Abflüsse beherrschbar beziehungsweise die Belastungen der Deichlinie beeinflusst werden sollen.
Auffällig ist dabei die Größenordnung: Für Bereiche des Niederrheins werden in der Optimierungsvariante kritische Abflüsse bis zu 14.500 m³/s ausgewiesen. Damit macht die Tabelle zugleich deutlich, dass ein höherer Schutzgrad nicht allein von der Höhe und Festigkeit einzelner Deiche abhängt. Entscheidend ist das Zusammenwirken von Rheinabfluss, Rückhalteräumen, deren Schwellenhöhen und der gesamten Deichschutzlinie.
Die Darstellung ist deshalb auch heute von Bedeutung: Sie zeigt, dass Hochwasservorsorge als Gesamtsystem betrachtet werden muss – von der Rückhaltung oberhalb bis zur sicheren Abführung des Wassers am Niederrhein.
Betroffene Bewohner – Hochwasserrisiko trifft auf Bergbaufolgen
Die Auswertung zum potenziellen Rhein-Hochwasserrisiko macht deutlich, dass bei einem Extremhochwasser in zahlreichen Kommunen sehr große Teile der Bevölkerung betroffen sein können. Besonders bedeutsam ist die Situation am linken Niederrhein, wo mehrere Kommunen zugleich durch bergbaubedingte Geländeabsenkungen geprägt sind.
In diesen Gebieten liegt ein erheblicher Teil der Wohn- und Siedlungsflächen in deichgeschützten Polder- und Senkungsgebieten. Damit geht es nicht allein um die Zahl potenziell betroffener Einwohner, sondern um eine besondere Verwundbarkeit des Lebensraumes: Hochwasserschutz, Grundwasserregulierung, Entwässerung und technische Anlagen müssen dauerhaft zuverlässig funktionieren.
Die Grafik verdeutlicht damit, dass Bergbaufolgen und Hochwasserrisiko nicht getrennt betrachtet werden dürfen. Wo viele Menschen in dauerhaft abgesenkten Gebieten leben, erhalten Vorsorge, technische Ausfallsicherheit und langfristige staatliche Verantwortung ein besonderes Gewicht.
Hinzu kommt: Die dargestellten Zahlen berücksichtigen laut Grafik noch nicht den zusätzlichen Einfluss von Starkregenereignissen und möglichen Abflusshindernissen.