Situation in Lebensräume
Natur- und Landschaftsentwicklung, Risikogebiete, Bergbaufolgen
Heimat in Bewegung – Verantwortung für unsere Region
Wohin steuert unsere Region?
Heimat ist nicht nur der Ort, an dem wir leben – Heimat ist ein Lebensraum, dessen Zukunft uns alle angeht. Der Niederrhein und das Rheinische Revier wurden über Jahrzehnte durch Bergbau, Bodensenkungen und Eingriffe in den Wasserhaushalt verändert. Klimawandel, Hochwassergefahren und veränderte Grundwasserverhältnisse stellen diese Region heute vor zusätzliche Herausforderungen.
„Heimat in Bewegung“ beschreibt deshalb nicht nur, was sich verändert, sondern auch, was bewegt werden muss. Aus langjähriger Beschäftigung mit den Risiken unserer Region entstand der Anspruch, bekannte Gefährdungen sichtbar zu machen, Verantwortlichkeiten anzusprechen und notwendige Vorsorge einzufordern. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse allein schützen keinen Lebensraum – entscheidend ist, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.
Diese Gedanken haben auch Eingang in das Sachbuch „Rheinische Reflexionen“ gefunden. Sie stehen für den Versuch, Erfahrungen aus der Region mit der Frage zu verbinden: Wie können wir unseren Lebensraum trotz Bergbaufolgen und Klimawandel auch für kommende Generationen sicher und lebenswert erhalten?
Chancen für mehr Sicherheit im bergbaubetroffenen Nordrhein-Westfalen – das Klimaanpassungsgesetz als Wegbereiter
Nordrhein-Westfalen steht vor der Aufgabe, die Folgen des Klimawandels mit den bereits vorhandenen, teilweise dauerhaften Folgen des Bergbaus zusammenzudenken. Besonders am Niederrhein haben Bodensenkungen, Eingriffe in den Wasserhaushalt und technisch dauerhaft zu sichernde Lebensräume Bedingungen geschaffen, die bei Hochwasser, Starkregen, Grundwasserveränderungen und anderen Extremereignissen besondere Vorsorge erfordern.
Viele dieser Risiken sind seit Jahren bekannt und durch Studien, Erfahrungen und Hinweise Betroffener dokumentiert. Dennoch fehlt es vielfach an einer übergreifenden Betrachtung von Bergbaufolgen, Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Entwässerung, kritischer Infrastruktur und Katastrophenvorsorge.
Gerade darin liegt aber auch eine Chance: Mit einem zukunftsfähigen Klimaanpassungsgesetz für Nordrhein-Westfalen können besondere regionale Gefährdungen stärker berücksichtigt, Verantwortlichkeiten klarer gefasst und Vorsorge langfristig abgesichert werden.
Erste Lichtblicke sind erkennbar. Die Diskussion über Klimaanpassung gewinnt an Bedeutung, Kommunen und Regionen werden stärker einbezogen und die besonderen Anforderungen dauerhaft veränderter Lebensräume können in politische und gesetzgeberische Entscheidungen einfließen.
Es geht deshalb nicht allein darum, auf bestehende Defizite hinzuweisen. Es geht darum, vorhandenes Wissen zu nutzen und daraus konkrete Chancen für mehr Sicherheit, Vorsorge und Zukunftsfähigkeit zu entwickeln.
Das Klimaanpassungsgesetz NRW kann dafür zu einem wichtigen Baustein werden – wenn die besonderen Bedingungen bergbaubetroffener Regionen angemessen berücksichtigt werden.
Karl Schlögels Dankesrede zum Friedenspreis 2025 ist weit mehr als eine Betrachtung unserer Geschichte.
Sie ist ein eindringlicher Appell, die Wirklichkeit wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und Gefahren nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn ihre Folgen unabwendbar geworden sind. Gerade darin liegt auch eine bemerkenswerte Aktualität für unsere Zeit und unsere Region.
Verantwortung beginnt mit dem Blick auf die Wirklichkeit
Die Dankesrede des Historikers Karl Schlögel anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2025 vermittelt eine Botschaft, die weit über den unmittelbaren Anlass hinausweist. Sie erinnert daran, dass Frieden, Sicherheit und gesellschaftliche Stabilität keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie müssen immer wieder durch Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft gesichert werden, sich auch unbequemen Tatsachen zu stellen.
Ein wesentlicher Gedanke ist dabei der Wirklichkeitssinn: Entwicklungen müssen so wahrgenommen werden, wie sie tatsächlich sind – nicht so, wie Politik, Institutionen oder Gesellschaft sie gerne sehen möchten. Wer erkennbare Veränderungen, Risiken und Warnzeichen verdrängt oder relativiert, läuft Gefahr, notwendiges Handeln so lange aufzuschieben, bis die Handlungsmöglichkeiten immer kleiner werden.
Gerade dieser Gedanke lässt sich auf viele Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft übertragen. Infrastruktur, Daseinsvorsorge, Hochwasser- und Katastrophenschutz, Klimaanpassung und die langfristige Sicherung unserer Lebensräume verlangen einen solchen realistischen Blick. Entscheidungen von heute bestimmen vielfach darüber, unter welchen Bedingungen kommende Generationen leben werden.
Für den Niederrhein erhält diese Botschaft eine besondere Bedeutung. Hier treffen natürliche Risiken, Klimaveränderungen und die langfristigen Folgen menschlicher Eingriffe in Landschaft und Wasserhaushalt aufeinander. Wo solche Entwicklungen bekannt sind, darf Vorsorge nicht erst einsetzen, wenn Schäden eingetreten sind.
Schlögels Gedanken können deshalb auch als Aufforderung verstanden werden, hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung rechtzeitig wahrzunehmen. Bürgerinnen und Bürger, die auf erkennbare Risiken aufmerksam machen, sollten mit ihren Erfahrungen und Argumenten ernst genommen werden. Ein handlungsfähiger Staat zeigt seine Stärke nicht allein in der Bewältigung eingetretener Krisen, sondern insbesondere darin, erkennbare Gefahren vorausschauend zu begrenzen.
So verstanden reicht die Botschaft dieser Friedenspreisrede bis in unsere Region hinein: Wirklichkeit erkennen – Verantwortung übernehmen – Vorsorge treffen. Das sind Voraussetzungen für Sicherheit, Vertrauen und eine lebenswerte Zukunft.
Video-Link: https://www.zdf.de/play/interviews/buchmesse-150/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-2025-karl-schloegel-100
Auf ein Blick
„Infrastrukturen entstehen durch Bedürfnisse“
Historikerin Dr. Lina Schröder
Lebensraumschutz – Mobilität – Versorgungssicherheit – EU-Ziele
– Klima-Anpassung – Freizeit
Zukunftssicherheit für Bergbau- und Tagebauregionen
am linken Niederrhein
Ausblick in die 20er und 30er Jahre
In den letzten Jahren häufen sich Katastrophen-Hochwasser.
Sie hinterlassen Milliardenschäden
und Angst bei den Menschen, die an Flüssen leben.
Der traditionelle Hochwasserschutz
mit Deichbau oder Deicherhöhung hat die Probleme
nicht gelöst und stößt an seine Grenzen.
Der ursprünglich potenziell überschwemmungsgefährdete
Niederrhein wurde/wird
bis zu 25 Meter abgesenkt.
Überstauhöhen bis über 10 Meter sind zu befürchten.
Für viele Menschen besteht u.a. Lebensgefahr und Eigentumsverlust.
Behörden konstatieren:
„Es gibt keinen absoluten Hochwasserschutz am Niederrhein“.
Weshalb? unsere Sachgründe:
- Die Verwaltung des Rheinstromgebietes ist ohne einheitliche Regie.
- Ist ein Extremhochwasser erst im Hauptstrom kann eine Senkung des Wasserspiegels
nur durch ein Ausweichen in der Fläche (in tiefere Regionen) erfolgen. - Zwischen Andernach und Duisburg existiert keine durchgehende Deichschutzlinie.
- Sicherer Abfluss liegt bei max. 12.000 cbm/s.
Soll-Abflussschutz= BHQ 2004 = 14.800 cbm/s
Neufestsetzung des Bemessungshochwassers BHQ2004 Erlass MUNLV BHQ2004 - Es existiert kein wissenschaftlicher Beleg über die Standsicherheit von Erddeichen
- Risikoerhöhung von bergbaubetroffen potenziellen Überschwemmungsgebieten ohne
Abflussmöglichkeit. Problem Starkregen nicht gelöst!
Potenzieller Schadensbericht (RWTHAachen Feb. 2000)
von bis zu 200 Mrd. Euro.
Über 1,5 Mill.Menschen sind betroffen.
- Ursprüngliches potenzielles Überschwemmungsgebiet wird bis zu 25 Meter abgesenkt.
- EU-HWRM-Plan-NRW: „Es liegt an den verantwortlichen Akteuren, die Belange des
Hochwasserrisikomanagements zu beachten und entsprechende Maßnahmen
im Rahmen der fachlichen und finanziellen Möglichkeiten umzusetzen.“
Aussage vom 11.01.2016 - Gemessen am Schadenspotenzial besteht
keine Pflicht zur Schadensverhinderung - WHG, NHWSP und KRITIS: Die Bundesregierung weigert sich, das
linksrheinische bergbaubetroffene Gebiet
als Kritisches Infrastrukturgebiet auszuweisen.
Fazit:
Hochwasser und Starkregen ist unser Hauptproblem!
Auch eine andere Hochwasserschutzstrategie kann
Überflutungskatastrophen nicht verhindern.
Daher sind Strategien erforderlich, indem Extremabflüsse
des Rheins das Niederrhein-Gebiet NICHT erreichen dürfen,
Stauwasser muss (schadensfrei) abfließen können.
Geplante Wasserstraßenverbindungen zwischen dem Niederrhein zur Maas und Schelde (Antwerpen)
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Aus der Geschichte lernen: |
1. Periode: 1626 bis 1838 Philipp IV, Napoleon Bonaparte 2. Periode: 1839 bis 1939 Mehrstaatliche Kooperation 3. Periode: 1939 bis 1963 1. Paradigmenwechsel, Albert-Kanal 4. Periode: 1964 bis 1985 2. Paradigmenwechsel, Niederrheinische Initiative |
Wobei die aufgelassenen Braunkohle-Tagebaue interessante logistische Bindeglieder zum Strukturwandel sowie an das Wasserstraßennetz der Benelux-Länder werden können.
Die Strategie des Seine-Schelde-Kanals kann beispielhaft sein.
Wir haben dazu einen PLAN, der eine 5. Periode einläuten kann.
Anmerkungen zu den Topographischen Karten vom Landesvermessungsamt NRW Stand 2000:
Die Geländehöhenabstufung erfolgt in Farbabstufungen. Daraus können Sie das Geländehöhenprofil ableiten
Gerade im Bezug zur bergbaubeeinflussten Geländestruktur wird oft die Frage gestellt:
„Mit welcher Überschwemmungshöhe muß ich rechnen, wenn die Deiche nicht halten sollten?„
Theoretisch gesehen gilt die Formel:
Wasserspiegelhöhe (m) minus persönliche Geländehöhe (m) = Überstauhöhe in Meter