🛡️ SICHERHEIT AM NIEDERRHEIN
Risikogebiete – Senkungen & Stauwasser & Schäden
Dokumentation, Sachstand & Sachinformationen
Risikogebiete am Niederrhein
Der Niederrhein ist ein Lebensraum, in dem sich natürliche Gefahren, Folgen des Klimawandels und jahrzehntelange menschliche Eingriffe überlagern. Hochwasser und Starkregen, bergbaubedingte Bodensenkungen und Veränderungen des Wasserhaushalts, aber auch die dauerhafte Abhängigkeit von Deichen, Entwässerungssystemen und technischen Schutzmaßnahmen bilden ein besonderes Risikogefüge. Viele dieser Faktoren wirken nicht für sich allein, sondern können sich gegenseitig verstärken.
Risikogebiet bedeutet deshalb: Vorsorge muss dort beginnen, wo erkennbare Gefahren zusammentreffen – und nicht erst, wenn Schäden eingetreten sind.
Risiko-NRW.Graphische Darstellung der Risikofaktoren in NRW
Schadensbilanz der rheinnahen Infrastuktur durch Rheinhochwasser
Hochwasserrisiko am Rhein – Schäden treffen Regionen unterschiedlich
Bereits die damaligen Untersuchungen zu den potenziellen Hochwasserschäden am Rhein in Nordrhein-Westfalen machten deutlich, dass Hochwasser nicht überall dieselben Folgen hat. Entscheidend sind neben der Besiedlungs- und Industriedichte auch die Geländestruktur, bergbaubedingte Veränderungen, landwirtschaftliche Nutzung sowie Standorte mit wassergefährdenden Stoffen.
Besonders kritisch ist der mittlere Niederrhein: Hier treffen eine hohe Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte, Industrieanlagen und wassergefährdende Stoffe auf einen durch den Bergbau teilweise dauerhaft veränderten Wasser- und Landschaftshaushalt. In Senkungsgebieten können Schäden zudem eine langfristige Dimension erhalten, weil Entwässerung und Grundwasserregulierung dauerhaft technisch gesichert werden müssen.
Die Grafik verdeutlicht deshalb eine bis heute wichtige Erkenntnis: Hochwasservorsorge darf sich nicht allein an der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses orientieren. Ebenso berücksichtigt werden müssen das mögliche Schadensausmaß und die besondere Verletzlichkeit eines dauerhaft veränderten Lebensraumes.
Potenzielle Überschwemmungsgebiete: Prognose zum Hochwasser 1926, bezug BHW 1977, Retentionsräume lt. Sudie von 2004 (ohne eine Überschwemmungs-Bilanz nach BHQ2004 – unter Bezugnahme der Retentionsräume unter Bergbaueinfluss)
Von „Bemessungswasser-Höhen“ abhängiger Umfang der Retentionsräume (Überflutungsgebiete)
Die Aussagekraft von farblich unterschiedlichen Höhenlagen zeigen die digitalen Karten die ursprünglich den Studienergebnissen von 2004 zugehörig waren.
Wegen der extrem hohen Analysenfähigkeit wurde dieses Kartenwerk von der CDU-Landesregierung 2004/5 eingezogen. Wir, der HWS, besitzen eine offiziell bezogene Datei. Aus dieser Quelle stammen alle weiteren Darstellungen.
Situation der geplanten Ertüchtigung der DEICH-Schwachstelle am Rheinfernen Deich in Xanten-Birten. Risikothhema ist, dass ein „üblicher“ DREI-ZONEN-DEICH nicht Infrage kommen soll.
Konflikt-Linien bedeutet, dass das bisherige Hochwasserschutzmaß seit vielen Jahren als „unterschritten“ gilt und durch die NRW-Regierung die Banndeichlinie bis an die Bundesstraße B57 verlegt wurde.
Das Steinkohle-Land / Das Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet – wenn technischer Schutz zur Daueraufgabe wird
Mehr als 150 Jahre Steinkohlenbergbau haben das Ruhrgebiet geprägt und wesentlich zur Industrialisierung, wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand Deutschlands beigetragen. Doch mit dem Ende des Bergbaus im Jahr 2018 endeten seine Folgen nicht.
Durch den Kohleabbau haben sich große Teile der Erdoberfläche dauerhaft abgesenkt – örtlich um bis zu 25 Meter. Dadurch entstanden sogenannte Poldergebiete, aus denen Niederschlags-, Grund- und Oberflächenwasser nicht mehr überall auf natürlichem Wege abfließen können. Ohne Pumpwerke, regulierte Gewässer und Deichanlagen würden deshalb weite Bereiche vernässen oder überflutet werden. Im Ruhrgebiet muss jährlich mehr als eine Milliarde Kubikmeter Wasser bewegt werden.
Die WAZ-Grafik macht damit eine grundlegende Folge des Bergbaus sichtbar: Wo der Mensch die natürliche Geländestruktur dauerhaft verändert hat, wird auch die technische Sicherung des Lebensraums zu einer dauerhaften Aufgabe.
Diese sogenannten Ewigkeitsaufgaben umfassen insbesondere die Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen und teilweise die Grundwasserreinigung. Ihre Finanzierung ist über die RAG-Stiftung organisiert; die wasserwirtschaftlichen Aufgaben werden unter anderem von RAG sowie den zuständigen Wasserverbänden wahrgenommen.
Für Politik und öffentliche Vorsorge ergibt sich daraus jedoch eine weitergehende Sicherheitsfrage: Was geschieht, wenn eine für den Lebensraum unverzichtbare technische Infrastruktur ausfällt? Pumpwerke, Energieversorgung, Steuerungs- und Überwachungssysteme dürfen nicht allein für den Normalbetrieb ausgelegt sein. Erforderlich sind dauerhafte Wartung und Erneuerung, Redundanzen, Ersatzsysteme, Notstromversorgung sowie Vorsorge für Hochwasser, Starkregen und andere außergewöhnliche Belastungssituationen. Bei der Grubenwasserhaltung werden beispielsweise redundante Pumpensysteme eingesetzt, sodass im Störungsfall eine andere Pumpe übernehmen kann.
Die eigentliche Botschaft der Grafik reicht deshalb weit über das Ruhrgebiet hinaus: Eine durch Bergbau dauerhaft veränderte Landschaft bleibt auch nach dem Ende der Rohstoffgewinnung auf technische Schutzsysteme angewiesen. Aus einer wirtschaftlichen Epoche ist eine generationenübergreifende Verantwortung geworden.
Gerade darin sehe ich auch die Verbindung zu Ihrem Thema am Niederrhein: Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wer die Pumpen heute betreibt, sondern wie Staat und Verantwortliche sicherstellen, dass lebensnotwendige technische Systeme auch in Jahrzehnten und unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
Bergbau endet – seine Folgen nicht. Wo ein Lebensraum dauerhaft von Pumpen und technischen Schutzsystemen abhängig geworden ist, muss auch seine Sicherheit dauerhaft gewährleistet sein.
Braunkohle-Gebiet – Rheinisches Revier
Alternativer HWS-Vorschlag für einen naturnahen Zugang für Rheinwasser in die Tagebaue.
Prinzip: Wie uns die Römer oder auch Inka es uns vorgemacht haben.
Die Sturheit von RWE/Landesregierung, die der Technik vorrag einräumen, sind für zukunftssichere Vorschläge „blind“.
Zukunftsweisende Wiedernutzbarmachung der Tagebauregion
Mit dem Schreiben an RWE Power vom 29.09.2020 wurde angeregt, die spätere Befüllung und Wiedernutzbarmachung der Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden mit einer langfristigen Entwicklung der gesamten Region zu verbinden. Im Mittelpunkt stand die bereits früher diskutierte Idee einer Wasserstraße vom Rhein zur Maas, die zugleich wasserwirtschaftliche, infrastrukturelle und grenzüberschreitende Funktionen übernehmen könnte.
Gefordert wurde, die jahrzehntelange Tagebaufolgenbewältigung nicht nur technisch zu betrachten, sondern als Chance für eine nachhaltige Neuordnung des Lebensraums zwischen Rhein, Maas
Antwort vom Vorstandsvorsitzendem RWE-Power Dr. Frank Weigand vom 26.0kt. 22020:
RWE bewertet die Idee einer Wasserstraße Rhein–Maas grundsätzlich als interessant und nachvollziehbar, sieht jedoch wegen des vorgezogenen Kohleausstiegs und der bereits ab etwa 2030 notwendigen Rheinwasserzuführung zu den Tagebauen keine zeitliche Möglichkeit mehr, das Kanalprojekt mit der Wiedernutzbarmachung der Tagebaue zu verbinden. Stattdessen verfolgt RWE die bereits geplante Rheinwassertransportleitung.
Bemerkenswert finde ich dabei die Unterscheidung: RWE verwirft nicht die Idee einer Wasserstraße Rhein–Maas als solche, sondern vor allem deren zeitliche Verknüpfung mit der Tagebau-Wiedernutzbarmachung. Das ist für eine sachliche Darstellung des damaligen Schriftwechsels ein wichtiger Unterschied.
Gebiet des Rheinischen Reviers, die durch den bisherigen Braunkohle-Tagebau durch die Grundwasserabsenkung weitestgehend trocken gelegt wurde.
Das s. g. Sümpfungswasser wird zur Einspeisung in die Niers und zur Trinkwasssernutzung der Bewohner verwendet. Ein Nebeneffekt ist, dass durch die Trockenlegung tiefer Erdschichten, die Geländeoberfläche z. T. mehrere Meter absinkt.
Leitentscheidungen: Strategien im Zusammenhang mit der Beendigung der Braunkohle-Gewinnung im Rheinischen Revier
Leitentscheidung 2021 – Bergbaufolgen, Wasserhaushalt und Zukunftsvorsorge
Kernaussage:
Die Leitentscheidung betrachtet das Ende des Braunkohleabbaus nicht als Ende der bergbaulichen Folgen. Vielmehr beginnt damit eine jahrzehntelange Phase der Wiedernutzbarmachung und wasserwirtschaftlichen Neuordnung. Besonders die Restseen, der Grundwasserwiederanstieg und die notwendige Rheinwasserzuführung machen deutlich, dass die Folgen des Bergbaus weit über das eigentliche Ende der Kohleförderung hinausreichen.
Die wesentlichen Aussagen:
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Strukturwandel und Zukunftsräume: Die ehemaligen Bergbauregionen sollen zu nachhaltigen Lebens-, Wirtschafts- und Entwicklungsräumen umgestaltet werden. Kommunen und Region sollen ihre Zukunftsvorstellungen frühzeitig in die Planungen einbringen.
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Industrie, Energie und Mobilität: Das Rheinische Revier soll sich zu einer nachhaltigen Industrie-, Energie- und Mobilitätsregion entwickeln. Erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologie und neue Mobilitätslösungen erhalten dabei besondere Bedeutung.
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Rekultivierung und Flächennutzung: Bergbaulich beanspruchte Flächen sollen wieder nutzbar gemacht werden. Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Infrastruktur sowie neue wirtschaftliche Nutzungen sind miteinander abzustimmen.
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Tagebaurestseen: In Garzweiler, Hambach und Inden entstehen große Restseen. Ihre Befüllung soll möglichst innerhalb von etwa 40 Jahren nach Ende der Braunkohleförderung erfolgen. Wasserqualität, Böschungsstabilität, Grundwasserverhältnisse und spätere Nutzung sind dabei langfristig sicherzustellen.
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Rheinwasser für Garzweiler und Hambach: Die Restseen Garzweiler und Hambach sowie die Grundwasserkörper sollen durch Rheinwasser aufgefüllt werden. Hierfür sind Transportleitungen vorgesehen. Auch bei Niedrigwasser des Rheins soll eine ausreichende Versorgung berücksichtigt werden.
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Wasserhaushalt als Langzeitaufgabe: Der jahrzehntelange Tagebau hat tiefgreifend in Grundwasser, Fließgewässer und Feuchtgebiete eingegriffen. Nach Ende der Sümpfung wird die Wiederherstellung stabiler Grundwasserverhältnisse mehrere Jahrzehnte dauern. Bis dahin bleiben wasserwirtschaftliche Stützungsmaßnahmen erforderlich.
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Trink-, Öko-, Ausgleichs- und Ersatzwasser: Die Versorgung von Bevölkerung, Natur und Gewässern muss auch während des Grundwasserwiederanstiegs gesichert werden. Die Entwicklung soll durch ein langfristiges Monitoring begleitet werden.
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Erft und Gewässersystem: Auch die Erft muss an die veränderten Wasserverhältnisse nach dem Tagebau angepasst werden. Der spätere Abfluss der Restseen und die daraus entstehenden wasserwirtschaftlichen Veränderungen sind dauerhaft zu berücksichtigen.